H.A.R.M. Challenge Fichtenberg 2012

Vergangenes Wochenende gastierte die H.A.R.M. Challenge im beschaulichen Fichtenberg. Der Wetterbericht sah für dieses Wochenende, wie für viele in diesem Jahr, nicht sehr rosig aus. Durchzogen von Gewittern und Regenschauern. Davon unbeirrt machte ich mich auf den Weg ins Schwäbische. Das Racing Team Fichtenberg hatte vorgesorgt und einige Zelte aufgebaut. Bereits Samstagmorgen um 9 Uhr als ich an kam waren sehr viele Leute mit Wohnwägen, Campern und dutzenden von Pavillons vor Ort. Auf der Hinfahrt wurden viele von plötzlichen Starkregen überrascht und es gab zahlreiche Unfälle auf der Autobahn zu bewundern. Nach meiner Ankunft hatte es in Fichtenberg aber bereits aufgeklart. Zwar zogen noch dunkle Wolken vorüber aber es sollte zumindest für den Morgen trocken bleiben.

Die Fichtenberger Rennstrecke ist wirklich schön und entstammt einer alten Kartbahn mit zwei zusätzlichen Schikanen welche mir das Wochenende teilweise recht schwer machten. Die Strecke besteht aus einer kurzen Geraden vor der Boxengasse/Fahrerstand, danach einer engen Linkskurve gefolgt von einer tückischen Schikane. Nach der Schikane bleibt nicht viel Luft zu einer Mittelschnellen Rechts/Links Kombination. Die Linkskurve mündet in der schnellsten Passage, einer extrem schnellen und mit Vollgas gefahrenen Links an dessen Ende sich eine, in eine Schinkane eingebettete, scharfe Linkskurve zurück auf die Gerade befindet. Die Strecke selbst liegt knapp außerhalb von Fichtenberg an einem leichten Hang zwischen grünen Wiesen jenseits einer Bahntrasse. Sie bietet einen ganz tollen Grip der auch sehr schnell nach einem Regenguss wieder kommt. Die teilweise hohen Kurbs sind etwas schwierig zu fahren, sie verleiten einen aber dadurch zu etwas Respektabstand vom Gras.

Das Fahrerlager war aufgrund der Platzverhältnisse in Fichtenberg etwas entzerrt. Hinter der Boxengasse standen etwa ein halbes Dutzend Tische unter einem großen weißen Zelt zur Verfügung. Zusätzlich hat das RT Fichtenberg auf einer Wiese dahinter ein weiteres Zelt aufgebaut unter dem wiederum einige Fahrer auf Biertischen schraubten. Die restlichen Fahrer hatten sich unter Pavillons am Rande der Strecke postiert. Ich selbst hatte mich direkt hinter der Boxengasse an einem langen Tisch postiert. Für das leibliche Wohl war mit Wurst, Schnitzel, Kuchen, Pommes und Salat reichlich und sehr gut gesorgt – auch die neue Stromversorgung in Fichtenberg hat alle Teilnehmer prima mit „Saft“ versorgt.

Nachdem die Strecke abgetrocknet war, begann auch schon das Training. Zwei ungezeitete Trainingssessions in Vorlaufgruppen waren angesetzt und wurden reichlich genutzt um sich auf die Strecke ein zu schießen. Nach der Mittagspause waren dann je drei Vorläufe á 10 Minuten pro Gruppe angesetzt.

Das Training verlief bei mir eigentlich recht „unauffällig“. Das Auto lief soweit und es wurden lediglich kleine Veränderungen am Setup vorgenommen. An diesem Wochenende im Gepäck hatte ich die neuen GRP Reifen (die Grauen) in den Mischungen C, B und A welche alle an diesem Wochenende zum Einsatz kommen sollten. Das Training wurden auf den härteren C Reifen gefahren welche guten Grip bei relativ wenig Verschleiß boten. Die B Reifen nutzte ich dann für die Vorläufe und die A für die Finale – aber mehr dazu gleich.

Vorläufe

Mein erster Vorlauf war verregnet und ich entschloss nicht zu fahren. Nachdem es jedoch aufgehört hatte zu regnen wagte ich doch noch einige sehr rutschige Runden auf dem Asphalt – hätte es nämlich später stärker geregnet, hätte ich so zumindest eine Zeit. Während der Vorlaufzeit trocknete die Strecke jedoch rasch ab – die Sonne kam raus und verwandelte die Strecke in eine Sauna nach dem Aufguss. Der zweite und dritte Vorlauf war dann trocken – ich musste aber schnell einsehen, dass andere wohl ein noch besseres Setup gefunden hatten als ich. Ich qualifizierte mich für das Viertelfinale.

Viertel- und Halbfinale

Kurz vor dem Viertelfinale regnete es abermals. Die Strecke war feucht bis nass. Aber was soll’s, ich packte das Auto auf die Strecke und fuhr los. Außer mir starteten noch fünf Andere von den eigentlich sieben Teilnehmer. Fünf sollten weiter kommen ins Halbfinale – so weit also safe. Aber es ging ja auch um die Platzierung von daher wurden munter vorsichtige Runden auf dem rutschigen Kurs absolviert. Es dauerte nicht lange, da hatte ich mich als Zweiter in diesem Lauf etabliert. Vor mir nur noch der Willy mit seinem Regenauto und Regenreifen. Sein Speed konnte ich schlichtweg nicht mitgehen – wie denn auch auf meinen GRP A Trockenreifen und einem Trocken-Setup? Sechs Runden hinter dem Führenden beendete ich den Lauf nach 10 Minuten als Zweiter und qualifizierte mich auf Startplatz drei im Halbfinale A.

Das Halbfinale begann ganz gut, ich konnte mich auf den zweiten Platz nach vorne schieben kurz nach dem Start. Einige Runden und ein Fahrfehler später fand ich mich aber am Ende des Feldes wieder. Das Auto lag an sich gut, die Rundenzeiten minimal langsamer als die meiner Mitstreiter. Dennoch war ich zufrieden – sechster Platz im Halbfinale A und nur knapp den Einzug in das A Finale verpasst. Also lautet die nächste Station: „Finale B Sprint Trophy“.

Das Finale

Vor dem Finale nahm ich noch ein paar kleine Setup Korrekturen vor. Es war sonnig und warm, die Bahn hatte sehr viel Grip. Daraus resultierte das ich das Diff mehr sperren ließ und die Vorspur hinten reduzierte um besser rollen zu können. Außerdem musste noch das Zwischenwellenritzel wegen Karies getauscht werden und der Motor hatte sich los geschüttelt.

Ich sand auf Startplatz fünf – keine schlechte Ausgangsposition also. Willy direkt hinter mir. Wohl wissend, dass Willy deutlich schneller sein würde. Nichtsdestotrotz erwischte ich einen guten Start – kam vor bis auf Platz zwei und konnte mich aus dem Getümmel heraus halten welches hinter mir entstand. Dieses Getümmel sollte mich aber bald einholen und mir zum Verhängnis werden. Ich hatte mich noch nicht ganz in den Lauf eingefunden und da liefen die anderen Fahrer am Ende der Geraden auf mich auf. Einer erwischte mich am Heck und drehte mich in der Schikane vor Start/Ziel herum – der Folgende krachte mir dann unverschuldet direkt auf das Vorderrad. Ich bemerkte nicht sofort den Defekt – wohl etwas geschockt vom Unfall und beschleunigte die Gerade entlang. Im Vorbeifahren sah ich, dass das Rechte Vorderrad lose war. Da war es aber schon zu spät – am Brems- und Einlenkpunkt zur Linkskurve schoss mein Auto gerade aus in den Wald. Weder Bremsen noch Lenken war mehr möglich. Mein Helfer und ich holten das Auto aus hohem Gras raus und rannten damit in die Boxengasse. Es war nur der Gewindestift am oberen vorderen linken Querlenker gebrochen. Karosserie runter, Rad entfernen, Ersatzteil suchen, altes Teil abbauen, neues Teil einbauen, Sturz aufs Geradewohl einstellen und ab ging die Post. Sechs Minuten und ca. 20 Runden Rückstand hatte ich mir so eingebrockt, aber das Auto lief wie eine Nähmaschine – fast besser als zuvor. Meine Rundenzeiten waren gut und ich konnte mich sogar noch bei einigen Fahrern um ein- oder zwei Runden zurück runden. Es machte Spaß und trotz des Rückstandes hatte ich ein Grinsen im Gesicht. Meine Helfer rieten mir, meine Vorderreifen zu schonen – sie glaubten durch die schnelle Links würden die GRP A überhitzen und zu schnell verschleißen. Nach einigen Runden Gas rausnehmen dachte ich mir „ach, was soll’s?“ und habe wieder Tempo aufgenommen. Ca. 5 Minuten vor Schluss wollte ich den zu dem Zeitpunkt in Führung liegenden Willy vorbei lassen und scherte Anfang der Geraden nach der Schikane weit aus um ihm innen Platz zu geben vorbei zu beschleunigen. Leiter verließ ich die griffige Ideallinie und ging zu früh ans Gas. Das Heck scherte aus und ich prallte wieder mit dem Vorderrad an die Boxenbegrenzung. Danach stimmte nichts mehr. Linkskurven wollte das Auto nicht mehr fahren – ich kam ca. 2 Minuten vor Schluss an die Box. Der neu eingesetzte Gewindestift und die Schrauben im Achsschenkel waren alle total krumm. Eine Reparatur dauerte länger als der Lauf. Dennoch bin ich Sechster geworden – einige andere Fahrer hatten wohl leider noch mehr Pech als ich. Dennoch hat mir der Finallauf sehr viel Spaß gemacht. Ich konnte gut mithalten auch wenn das Glück dieses Wochenende nicht ganz meines war. Aber immerhin: Es ist nichts teures kaputt gegangen!

Die weiteren Finals

Das Sprint Finale war sehr spannend und mündete in einem Fernduell zwischen Holger Reinert und Ralf Kiesele. Beide fuhren ein blitz sauberes und sehr schnelles Rennen und belegten zurecht die Plätze 1 und 2. Der Rest des Finales war, wie die anderen Finals auch, recht ruppig. Einige Fahrer schienen etwas übermotiviert und gingen mit der Brechstange vor, was einige Ausfälle, Dreher und Ausflüge ins Grün zur Folge hatten. Leider, und das ist mein einziger Kritikpunkt an einer ansonsten rundherum gelungenen Veranstaltung, schritt die Rennleitung nicht ein und ermahnte niemand sodass ungebremst weitergemacht wurde.

Zu den GRP Reifen

Die C und B Reifen waren aus der ersten Charge der Hobbythek. Sie besaßen noch die original, nicht nachgeschnittenen Flanken. Dies führte dazu, dass das Auto am Einlenkpunkt auf der Hinterachse unruhig wurde. Mit Schmirgelpapier rundeten wir die äußeren Ecken der Vorderreifen ab und das Problem milderte sich. Die Haltbarkeit der C und B Reifen ist sehr gut – vielleicht minimal besser als die alten Reifen. B Reifen ist eine echte Alternative und deutlich spürbar griffiger als der C. Die A Mischung ist natürlich sehr weich, lässt sich sehr gut fahren und das Auto rollt damit auch sehr gut durch die Kurven. Die A Reifen waren bei mir die kompletten Finalläufe im Einsatz. 10 Minuten 1/4 Finale, 10 Minuten 1/2 Finale und 30 Minuten Finallauf (wovon ich nur etwas über 20 Minuten gefahren habe). Die Vorderreifen hatten danach nur noch minimal Profil – aber sicherlich noch genug für einen Vorlauf. Die Hinterreifen waren nur zu ca. 2/3 verschlissen. Die können sicherlich noch mal 20 Minuten ran genommen werden. Die B und C Reifen haben jeweils noch mehr Kilometer abgespult und sehen noch recht fair aus. Alles in Allem gute Erfahrungen mit den Reifen. Leider fehlt mir der direkte Vergleich mit PMT Reifen am gleichen Wochenende auf der gleichen Bahn. Auch die neuen Grauen Felgen gefallen mir sehr gut.

Fazit

Das Wochenende endete ca. 17:30 mit der Siegerehrung. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, die Mitglieder des RT Fichtenberg haben eine tolle Veranstaltung auf die Beine gestellt und die Teilnehmer waren wie immer alle wirklich super. Viele nette Unterhaltungen und Kontakte. Fichtenberg kommt für mich ab sofort in den regelmäßigen Rennkalender. Herzlichen Dank an alle die mit dabei waren!

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