H.A.R.M. Challenge Hockenheim 2012

Wie immer nach einem Rennen an dem ich teilgenommen habe möchte ich es nicht verpassen meinen eigenen persönlichen Rennbericht zu verfassen. Vergangenes Wochenende fand die erste H.A.R.M. Challenge 2012 in Hockenheim statt. Schon bei der Nennung konnte man an einem Gewinnspiel teilnehmen. „Wie viel Grad wird es Samstagmittag um 12 Uhr auf dem Fahrerstand sein?“ lautete die Gewinnspielfrage. Sicherlich wurde die Idee hierzu geboren wegen des frühen Termins des Rennens, welcher anders aber im Hockenheimer Kalender nicht mehr unter zu bringen war. Um es vorweg zu nehmen: Ich tippte „8°C“ … es wurden 26°C in der Realität. Trotz meines Wetter-Optimismus hätte ich mir ein solch tolles Wetter Ende März nicht vorstellen können! Mein (glücklicher) Misserfolg beim Gewinnspiel sollte aber nicht mein Einziger an diesem Wochenende bleiben…

Die Geschichte fängt eigentlich schon nach dem Glühweincup an. Motiviert für das kommende Jahr ein schnelles Auto auf die Beine zu stellen habe ich das Auto im Dezember, mit einigen gesunden Wochen Abstand zum letzten Rennen, zerlegt und die Teile kontrolliert. Schon bald stand fest, dass einige neue Teile angeschafft werden mussten und die Suche nach geeigneten Teilen und günstigen Händlern begann. So gingen nochmals einige Wochen ins Land. Last but not least mussten die alten Alu-Teile poliert werden, was auch wieder einige Tage in Anspruch nahm. Der Termin der H.A.R.M. Challenge nahte schnell und die Teile waren noch nicht alle bereit zum Zusammenbau. Zwei Wochen vor der Challenge ging dann das große Puzzlespiel los – das Auto wurde aufgebaut um am Samstag vor dem Rennen eine erste Ausfahrt unternehmen zu können. Um es kurz zu machen: Mir ist im Winter nicht aufgefallen, dass ein vorderer unterer Querlenker krumm war und dadurch der Nachlauf nicht stimmte. Dann ist mit eine Zylinderschraube abgebrochen und die Fahrt endete erst mal für ca. 2 Stunden. Motor neu abgedichtet und Kolbenring getauscht und schon konnte es für einige wenige Runden weiter gehen. Das Testprogramm an diesem Tag wurde ebenfalls geschmälert dadurch, dass die Hockenheimer Fahrerlagerzelte aufgebaut werden mussten. Alles in Allem kein wirklicher Testtag auf das Auto und das Setup.

Unter diesen Voraussetzungen kam ich Samstagmorgen kurz vor 8 Uhr am Hockenheimring an und bereitete das Auto auf eine Testfahrt vor. Die neu erworbenen Reifen mussten als allererstes angefahren werden sodass nahezu keine Aussage getroffen werden konnte ob das Setup passte … Das Auto fuhr zumindest mal. Bei meinem ersten Versuch eine wirkliche Aussage über das Setup treffen zu können war dann das Antriebsritzel defekt. Die Reparatur dauerte und das freie Training war vorbei. Im Gruppentraining offenbarte sich dann, dass das Setup wohl kaum passte. Die alten Reifen auf dem Auto konnten nicht komplett schuld sein also änderte ich ein paar Kleinigkeiten vor dem ersten Vorlauf.

Vorläufe

Wegen der vielen Teilnehmer – 62 an der Zahl – und der vielen Gruppen – 4 Tourenwagen Gruppen mit je 11 Startern, eine 9-köpfige Porsche Truppe und weiteren 9 Formel Fahrzeugen, wurden nur drei Vorläufe angesetzt und diese alle an diesem Samstag. Im ersten Vorlauf war mein Auto extrem unruhig auf der Hinterachse. Später stellte sich heraus, dass der Sturz hinten nicht stimmte. Im zweiten Vorlauf kam mein Auto schier nicht um die Kurven so viel Grip baute die Hinterachse auf – untersteuern bis zum erbrechen. Also: Sturz und Spur vorne kontrolliert und einige Änderungen ins Auto geschraubt. Im letzten Vorlauf war ich dann im Grunde ganz zufrieden mit dem Auto. Um nicht ins 16tel Finale zu kommen beschloss ich gleich neue Reifen zu verwenden obwohl ich mir diese erst für den kommenden Tag aufheben wollte – mit ein Grund weswegen das Auto einigermaßen fahrbar war. Trotzdem stimmten die Zeiten nicht. Zum ersten Mal an diesem Tag kam ich jedoch an niedrige 24er Zeiten (das verdeutlicht hoffentlich meinen Schmerz) heran – aber nicht darunter. Zu allem Ärger ging mir noch am Ende der 15 Minuten der Sprit aus… und das obwohl der Tank mehr als halb voll war! Mir dämmerte, dass der Sprit im Finallauf eventuell eng werden würde! Das Ergebnis: Qualifikation für das Sechzehntelfinale am folgenden Morgen.

Sechzehntel- und Achtelfinale

Dank abermaligem Setup schrauben war das Auto eigentlich ganz gut im Sechzehntelfinale. Es galt lediglich mindestens 2 andere Fahrer zu schlagen. Von den 7 Startern sollten nur 5 weiter kommen. Dennoch ist man natürlich motiviert ein gutes Rennen ab zu liefern und sich möglichst sicher in die kommende Runde zu schießen. Außerdem entschied das natürlich über den Startplatz im kommenden Finale. Über das Sechzehntelfinale fällt eigentlich nicht viel zu sagen – dank der neuen Reifen lief es einigermaßen gut – auch wenn es besser laufen könnte. Es reichte locker für das Achtelfinale – dritter Platz.

Das Achtelfinale startete dann mit 11 Mann. Volles Haus also. Nach erneut ein paar Feinjustierungen am Auto war ich eigentlich guter Dinge den Speed der anderen mithalten zu können. Leider traf das nur auf einen Teil des Feldes zu. Gleich zu Rennanfang konnte ich mich weit nach vorne schieben. Den neunten Startplatz tauschte ich mit dem dritten Rang nach Runde zwei und konnte diesen einige Runden halten. Jedoch kippelte mein Auto auf der Vorderachse und rollte nicht sauber genug durch die Kurven. Als sich die hinter mir befindlichen Mitstreiter sortiert hatten und ihre internen Positionskämpfe einstellten und wieder zu Rennspeed fanden sah ich sie in großen Schritten von hinten heranrauschen. Beim ersten Überholversuch wurde ich gleich Opfer eines etwas ungestümen Fahrers. Sticht innen in eine Kurve hinein und kommt dann, oh Fliehkraft komme, weit nach außen, rammt mich, wir überschlagen uns. Schon waren zwei Konkurrenten durch – ich war fünfter. Wiederum etwas später im Rennen, ich konnte den Speed der vor mir fahrenden mitgehen, war allerdings auch nicht wesentlich schneller. Mittlerweile auf dem sechsten Platz zurückgefallen, hatte ich noch Hoffnung auf einen Ausfall vor mir.

Dann kam abermals ein sehr ungestümer, meiner Meinung nach, unfairer und übermotivierter Fahrer. Meine Durchfahrt durch die Omega-Kurve war nicht sehr gut. Am Kurvenausgang hatte ich zu wenig Geschwindigkeit und war weit innen. Was meinen Saarländischen Mitstreiter in die Position brachte sich neben mir zu setzen – auf der Kurveninnenseite der darauf folgenden Linkskurve über die Zeitschleife. Der Fisch war also für mich schon geputzt, ich hatte die Position klar verloren auch wenn wir uns noch Seite an Seite befanden. Spätestens beim Einlenken in die Linkskurve wäre er deutlich vorbei gewesen. Aber das war wohl nicht genug! Kurz vor dem links Abbiegen versetzte mir der Fahrer mit einer kurzen Lenkbewegung nach Rechts einen Stoß in die Seite. Das führte dazu das ich vor dem Fahrerstand in die Reifen einschlug und erst nach kurzer Pause das Rennen wieder aufnehmen konnte. Meiner Meinung nach ein unnötiges, unfaires und absichtliches Foul! Leider wurde es vom Rennleiter, der ansonsten einen nahezu perfekten Job gemacht hat, nicht geahndet.

Finallauf

Meine Leistung im Achtelfinale war nicht die schlechteste gewesen. Mit einer hohen 23er Runde wurden auch die Rundenzeiten besser. Nicht gut, aber besser. Vor dem Finallauf nahm ich dann noch ein paar kleine Änderungen am vorderen Stabi und an der Hinterachse vor um meine Leistung aus dem Achtelfinale möglicherweise noch zu verbessern. Mittags musste das Fahrerfeld auf die Auswertung der Zeiten aus den Vorläufen und eine Finaleinteilung warten. Meine eigene Erwartung war, dass ich mich für das D Finale qualifiziert hatte… aber es kam anders. Meine Zeit im Achtelfinale reichte um mich ins C Finale zu bringen. Ebenfalls nicht das Beste aber unter diesem Umständen ein gutes Ergebnis. Kurz nach 14 Uhr sollte mein letzter, 30 Minuten dauernder, Lauf starten.

11 motivierte Fahrer standen in der Startaufstellung. Jetzt geht es um die Wurst. Bereits in der Vorbereitungszeit bemerkte ich, dass das Auto deutlich untersteuerte, schob es aber zunächst auf die noch kalten und, an diesem Wochenende noch nicht benutzten Pneus. Vor dem Rennstart ließ ich das Auto von meinem fleißigen Helfer noch mal bis zum Rand mit Sprit befüllen. Das Rennen startete. Das Untersteuern wurde nicht besser und ich fiel schnell auf den letzten Platz zurück. Durch schieben über die Vorderreifen versuchte ich sie auf Temperatur zu bringen. Ich war wohl der einzige an diesem Nachmittag der über Probleme mit dem Grip zu klagen hatte – andere Autos kippten in den Kurven, so viel Grip hatte die Bahn zu diesem Zeitpunkt. Das schien meine Vorderreifen nicht zu stören. Offensichtlich hatte ich in der Eile vor dem Rennen unbeabsichtigt zu Reifen aus dem Vorjahr gegriffen – sie waren garantiert nicht mehr aus Gummi sondern aus Holz! Mit Rundenzeiten um die Mitte 24 Sekunden zirkelte ich um den Kurs und wurde bis zum Ende geschlagene 7 mal überholt!

Zu meinem Glück und dem Pech der Anderen fielen 5 Fahrzeuge im Rennen aus. Ein sechstes ausgefallenes Fahrzeug lag gegen Ende noch vor mir, aber durch meine langsame Pace und durch die Tatsache das mir in der letzten Minute doch noch der Sprit ausging, konnte ich diesen Platz nicht auch noch „erben“. Ich beendete das H.A.R.M. Challenge Finale C mit dem 6. Rang – ein Rang der eigentlich zu gut war für die Leistung von Auto und Fahrer, war aber ein Wermutstropfen für die vielen Probleme an diesem Wochenende.

Allgemeines zum Rennen

Wie ich bereits geschrieben habe, war das Wetter hervorragend. Ein riesiges Starterfeld von 62 Mann zwangen den Zeitnehmer dazu 11er Gruppen bei den Tourenwagen fahren zu lassen. Die drei großen Fahrerlagerzelte waren damit voll befüllt und die Stimmung war ausgelassen und fröhlich das ganze Wochenende über. Neben den üblichen Teilnehmern waren auch zwei Elektro 1:5er angereist. Der Tourenwagen und der Porsche machten eine gute Figur und können sicher, eine gute Abstimmung vorausgesetzt, mit den Verbrennern mithalten. Leider reichte ihnen, gleichermaßen wie einigen Verbrennern, der Treibstoff nicht über die gesamte Finallaufdistanz. Ansonsten ging die Veranstaltung ohne Pannen über die Bühne und der Rennleiter und Zeitnehmer machten einen großartigen Job.

Die weiteren Finals

Im B Finale hieß es abermals Daumen drücken für Tobias Diemer vom RC-Team Hockenheim. Er konnte sich nach einem spannenden Rennen den dritten Platz und damit eine Medaille sichern. Das A Finale versprach viel Spannung. Auf der Pole Position stand Mark Wybranietz – ebenfalls vom RC-Team Hockenheim, auf Platz zwei Holger Forst und dahinter folgte schon Andreas van Hüth. Holger, der bereits in den Vorläufen den aktuell geltenden Rundenrekord eingestellt hatte, konnte sich schnell an Mark vorbei schieben. Andreas nutzte ebenfalls die Gunst der Stunde und schob sich an beiden vorbei. Ab da entbrannte ein spannender Kampf um die Spitze. Die ganzen 30 Minuten lang lagen Platz 1 und 2 nicht weiter auseinander als 10 Sekunden. Immerwieder konnte Holger den Rückstand verkürzen, dann Zug Andreas nach. Gegen Ende kam Holger dann fast eine halbe Sekunde pro Runde an Andreas heran – sein Vorsprung schmolz dahin. Bis auf 2 Sekunden näherte er sich dem Führenden – dieser, so sagte er nach dem Rennen, hätte aber vom Speed her noch nachlegen können, wollte nur nichts mehr riskieren. Andreas siegte vor Holger und Mark mit einem neuen Rundenrekord von 22.07 Sekunden! Das sind fast drei Zehntel Sekunden schneller als Cedric Prevot aus dem Glühweincup und verdeutlicht Andreas genialen Ritt auf der Kanonenkugel in diesem Lauf. Gratulation an die verdienten Sieger!

Zum Schluss folge noch die, mit Feuerwerk und Böllern untermalte Siegerehrung. Mit dem Abbau der Zeitnahme, der Zelte und Bänke endete dieser lange Finaltag. Alle waren wir kaputt aber überglücklich über dieses toll gelaufene Rennen.

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