Karosserie lackieren

Eine Karosserie ist das Aushängeschild jedes RC-Car-Fahrers. Sie macht das Modell erst zu einem richtigen kleinen Rennauto und verkörpert auch ein wenig die Persönlichkeit des Fahrers. Daher geben sich sehr viele Modellfahrer sehr viel Mühe mit einer individuellen Lackierung ihrer kleinen Schätze. Dieser Artikel soll Anfängern dabei helfen gleich zu Beginn gute Ergebnisse, was die Optik und Haltbarkeit angeht, zu erzielen.

Grundlagen

Eine Lexan-Karosserie (Polycarbonat-Karosserie) wird grundsätzlich von innen lackiert. Hierbei gibt es zwei verschiedene Methoden: Spraydosen und Airbrush. Sie Spraydose ist sicher meist das Mittel der Wahl für Anfänger und Fortgeschrittene. Liebhaber von feinen Details und Tricks im Lack schwören jedoch auf Airbrush. Da Spraydosen jedoch nach dem Gebrauch einfach entsorgt werden können und auch sonst kein technisches Gerät bedürfen, möchte ich zunächst hierauf näher eingehen.

Die richtige Farbe ist eben so wichtig für ein gutes Ergebnis wie die Art des Lackierens. In jedem Fall sollte man Lexan-Farben verwenden. Herkömmliche Kunststoff-Lacke halten auf Lexan nicht gut und sind nicht flexibel genug. Lexan-Lacke hingegen verbinden sich dauerhaft mit dem Lexan.

Bleibt nur noch ein paar Worte für die Gesundheit zu verschwenden: Lackiert nur mit Atemschutz. Hierbei reicht eine günstige Maske aus dem Baumarkt welche Nase und Mund schützt. Selbst die Lackierung von Kleinteilen kann dazu führen, dass ihr winzige Schwebstoffe des Lacks einatmet was zu schweren gesundheitlichen Folgen führen kann. Des Weiteren sollte nur in sehr gut belüfteten Räumen (besser draußen) lackiert werden. Wenn draußen lackiert wird, sollte auf die Aufschrift der Farben geachtet werden, da diese nicht bei jeder Umgebungstemperatur verwendet werden können. Temperaturen unter 10° machen die Lackierung schwierig – genauso wie direkte Sonneneinstrahlung und Hitze. Es empfiehlt sich normale Raumtemperatur von ~20°.

Vorbereitungen

Lackieren sollte man nur in einem möglichst staubfreien Raum. Ansonsten läuft man Gefahr, dass sich Staubpartikel mit dem Lack vermischen und das Ergebnis nicht optimal ausfällt. Das der Lackierplatz sauber sein sollte versteht sich denke ich von selbst. Neben den Farben und der Karosserie benötigt ihr noch folgende Utensilien:

  • Klebeband welches sich Rückstandslos wieder entfernen lässt
  • Sehr feines Schleifpapier oder Stahlwolle
  • Rasiermesser oder Teppichmesser
  • Abdeckplanen oder Zeitungen
  • Waschbenzin (kein Brennspiritus)
  • Staubfreie Tücher oder Küchenpapier
  • Etwas Spüli-Wasser

Die Farbdosen sollten unmittelbar vor dem Gebrauch ca. 1 Minute lang kräftig geschüttelt werden damit sich die Farbpigmente gut verteilen. Anschließend sollten sie vorsichtig mit einem Fön oder einem Wasserbad auf ca. 45° erwärmt werden.

Vorbereiten der Karosserie

Ausschneiden

Um dem Motor zu ermöglichen zu Atmen und um später an Akkustecker und Anlasser zu kommen können die Seitenscheibe und/oder Heckscheibe der Karosserie ausgeschnitten werden. Beim Ausschneiden der Scheiben sollte man jedoch Ecken vermeiden. Die Ecken der Scheiben sollten abgerundet werden um ein späteres Einreißen an diesen Stellen zu verhindern/erschweren.

Die Umrisse der Scheiben werden mit einem Teppichmesser kräftig angeritzt. Wenn der Schnitt noch nicht tief genug ist, kann man den Vorgang wiederholen. Die Ecken kann man hierbei entweder von Hand rund machen, einen Zirkel benutzen oder vorher mit einem entsprechend großen Bohrer vorbohren. Hat man die ganze Scheibe rundherum tief angeritzt, kann man sie vorsichtig nach innen knicken bis sie auf einer Stelle einreißt. Nun drückt man vorsichtig die ganze Scheibe ein bis das komplette Plastik draußen ist.

Nach dem Ausschneiden der gewünschten Stellen sollten noch die Ränder mit feinem Schleifpapier entgratet werden. Man sollte, auch wenn das Ausschneiden hier an erster Stelle steht, die Karosserie erst nach dem Lackieren ausschneiden.

Anschleifen

Es empfiehlt sich die Karosserie an den stellen an welchen sie lackiert werden soll an zu schleifen. Dies schafft eine größere Oberfläche für die Farbe und damit eine bessere Haltbarkeit der Lackierung. Anschliffen wird natürlich die Innenseite – da auch diese später lackiert wird ist von den Schleifspuren dann nichts mehr zu sehen! Zum Anschleifen sollte extrem feines Schleifpapier oder sehr sehr feine Stahlwolle verwendet werden. Hiermit werden alle zu lackierenden Flächen (also nicht die Scheiben) gleichmäßig leicht aufgerauht. Sollte man scharfe Kanten lackieren wollen sollte man darauf achten, dass an diesen Kanten keine zu tiefen Kratzer entstehen, da ansonsten die Farbe an diesen verlaufen könnte.

Nach dem Schleifen werden die groben Reste des Schliffs noch entfernt und es geht zum nächsten Schritt.

Reinigen

Die Karosserien sind meist von einem dünnen silikonartigen Film bedeckt der von der Herstellung her rührt. Diesen gilt es neben dem Dreck vom Schleifen nun zu entfernen. Hierzu verwendet man das Spüli-Wasser. Optional kann man diesen Schritt ins Badezimmer verlegen. Die Karosserie sollte von Innen und Außen gründlichst abgewaschen werden. Die Behandlung mehrfach zu wiederholen schadet hierbei nicht!

Nun muss die Karosserie nur noch sehr vorsichtig abgetrocknet werden mit Küchenpapier oder einem staub- und fettfreien Tuch! Anschließend die Karosserie nur noch von Außen anfassen und sie einige Zeit gründlich austrocknen lassen bevor es zum nächsten Schritt geht.

Abkleben der Scheiben

Die Stellen welche nicht lackiert werden sollen (also die verbliebenen Scheiben oder Scheibenreste) werden nun großflächig und sauber mit dem Klebeband abgedeckt. Hierbei sollte man darauf achten, dass sich keine Falten an den Rändern der Scheibe oder an den Schnittkanten des Bandes bilden – hier könnte die Farbe unterlaufen! Nun fährt man nur noch sauber mit einem Teppichmesser die Ränder der Scheibe nach und entfernt vorsichtig das überstehende Klebeband. Hierbei ist darauf zu achten, dass man das verbleibende Band nicht einreißt da sonst auch hier Farbe unterlaufen könnte.

Abkleben von Farbkanten

(nur bei mehrfarbig lackieren Karosserien) Hierfür wird entweder Maskierfolie oder ebenfalls das Klebeband verwendet. Bei mehrfarbiger Lackierung wird immer zuerst die dunkelste Farbschicht zuerst lackiert um ein späteres Durchscheinen der dunkleren Farbe zu verhindern. Bei einer mehrfarbigen Karosserie empfiehlt es sich vorher mittels des mitglieferten Beklebeschablone ein Design auf zu malen und es anschließent vorsichtig auf die Karosserie zu übertragen. Nun wird die Karosserie mit Maskierfolie oder Klebeband von innen ausgeklebt und mittels des Teppichmessers die Stellen entfernt die zuerst lackiert werden sollen. Hierbei ist wie immer beim Abkleben darauf zu achten, dass die abgeklebten Flächen absolut dicht sind (Faltenfrei an den Rändern). Nun wird lackiert!

Lackieren

Die am häufigsten verwendeten Farben für Lexankarosserien sind Tamiya Sprühfarbe PS oder LRP Magic Colour 2. Natürlich gibt es auch noch andere Farben aber diese beiden können guten Gewissens als die am weitest verbreiteten empfohlen werden. Welchen Farbton man hier wählt bleibt natürlich jedermanns Geschmack überlassen. Auch die Menge an Farbe ist sehr individuell je nach Farbkonzept. Für eine einheitlich und blickdicht lackierte Karosserie braucht man, ohne die Farbe nochmals zu hinterlegen, jedoch ca. 250 bis 350ml Farbe.

Nun wird die Karosserie mit den vorbereiteten Spraydosen mit einem Abstand von ca. 30cm vorsichtig lackiert. Zunächst sollte man eine erste dünne Farbschicht auftragen und dann ca. 5 Minuten antrocknen lassen. Danach kann man weitere Farbschichten im Abstand von ca. 3 Minuten auftragen bis der Lack fertig ist. Man sollte unbedingt darauf achten, dass beim Lackieren der Lack niemals anfängt zu glänzen – dann hat man zu viel Lack aufgetragen und es drohen Rotznasen. Ebenfalls sollte die Farbe beim Auftragen der nächsten Schicht nicht schon durchgetrocknet sein um ein optimales Verbinden der Farbschichten untereinander zu ermöglichen.

Nach der eigentlichen Lackierung kann die Karosserie weiß hinterlegt werden. Dies erhöht die Strahlkraft der Farben und mach die Karosserie zudem unempfindlicher gegen Kratzer von innen. Nachteil: Es kostet weitere Farbe und die Karosserie wird schwerer.

ca. 10 Minuten nach der letzten lackierten Schicht sollten die Abklebefolien entfernt werden. Der Lack sollte nicht durchgetrocknet sein, da sonst der Lack einreißen kann! Vorsicht: Zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf den Lack fassen da dieser noch nass ist! Ebenfalls sollte man mit den abgezogenen Folien aufpassen nirgends gegen zu stoßen!

Dann heißt es: Warten! Warten bis die Karosserie durchgetrocknet ist. Dies kann je nach Umgebungstemperatur einige Stunden bis einen Tag lang dauern.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

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