Live Übertragung von Rennen

In den vergangenen Tagen ist mir die Idee eines Live Streamings eines Großmodellrennens zugetragen worden. Nach kurzem Überlegen war für mich die Sache klar: Streams sind teuer, aufwändig und das vermeintliche Publikum sehr klein. Aber ist dies wirklich so? In diesem Artikel möchte ich meine Gedanken zu diesem Thema einmal zusammenfassen und die technischen Möglichkeiten erläutern. Ich selbst arbeite in der Softwarebranche die sich unter Anderem mit Übertragung von Videos über das Internet auseinandersetzt und außerdem schrieb ich vor einigen Wochen bereits einen Artikel zur möglichen Weiterverbreitung unseres Hobbys. Ich musste mich also dem Thema annehmen…

Was ist das überhaupt?

Ich rede in diesem Artikel von Streaming, Streams bzw. Live Übertragung über das Internet. Auch wenn ich mich bemühe mich klar und verständlich aus zu drücken ist es denke ich zielführend eine kurze Erklärung zu geben was ich überhaupt damit meine wenn ich sage „Live Übertragung von Rennen“. Ein Stream ist eine Live Übertragung von Audio und/oder Video in das Internet. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um „Rundfunk“ wo ein Sender etwas ausstrahlt was alle Empfangen können. Ein Stream im Internet ist immer eine Punkt zu Punkt Verbindung bei der ein Sender zu jedem Empfänger einzeln die benötigten Daten schickt.

Was ich also meine mit einem Live Stream eines Rennen ist, dass sich Leute im Internet LIVE und in Farbe ein Rennen anschauen können – ähnlich wie bei der Live Übertragung der Formel 1. Sicherlich sind Streams im Internet etwas weniger professionell und verfügen meist über nur eine Kamera oder Kameraeinstellung.

Zielgruppe

Die Zielgruppe eines Streams sind „Daheimgebliebene“ Fahrer, Helfer oder einfach interessierte Zuschauer. Gemessen an den Zuschauerzahlen an einer Rennstrecke ist die Gruppe der „interessierten Zuschauer“ eher überschaubar. Die Frage ist: Wie groß ist die Gruppe der Fahrer die sich ein Rennen ganz oder nur zum Teil als Liveübertragung im Internet anschauen würden? Sicherlich hängt dies schwer vom Rennen selbst ab. Ein lokaler Lauf mit 20 Teilnehmern ist natürlich weniger interessant als ein Nationaler oder Internationaler Lauf. Es bieten sich aber auch Veranstaltungen an die sehr im öffentlichen Fokus stehen wie beispielsweise der Endlauf der H.A.R.M. Challenge oder den Glühweincup.

Meiner Meinung nach ist die Zielgruppe eines Streams in der Regel recht klein. Nicht viele Menschen setzen sich einen Sonntagnachmittag vor den Rechner und schauen sich einen Stream an. Allerdings ist aller Anfang schwer. Bisher gibt es derartige Angebote gar nicht oder kaum und die Konsumenten müssen erst einmal ‚trainiert‘ werden.

Hierzu ein Zitat von Terence Conran (Möbeltycoon):

Die Leute wissen nicht, was Sie wollen, bis man es ihnen anbietet.

Warum sollte man nicht also einfach damit anfangen und gezielt an Veranstaltungen ein Live Streaming anbieten, auch wenn es hierfür noch keine richtige Zielgruppe gibt?

Technischer Aufwand

Wie bei Allem richtet sich der technische Aufwand nach dem Budget aber nicht zuletzt auch nach dem vorhandenen Know How. Häufig gibt es in Vereinen nur wenige Menschen die sich um die Technik im Verein kümmern (können) und ggf. ein solches Streaming aufsetzen könnten. Mein Artikel soll hier einige Anregungen geben.

Die Natur des Streaming setzt voraus, dass der Streamende (die Rennstrecke) an jeden Zuseher einzeln Daten schickt. Da jedoch kaum eine Internetleitung ausreicht um an dutzende Menschen Videobilder in guter Qualität zu schicken wird dies meist von einem Streamingdienstleister gemacht. Einer der bekanntesten ist UStream oder Justin.tv. Mein persönlicher Favorit ist hier deutlich UStream da es zum Einen der größte Anbieter ist und zum Zweiten die beste Streamingqualität liefert. Beide Anbieter sind Werbe-Finanziert sodass der Zuschauer zu Anfang und dann regelmäßig einen Werbespot über sich ergehen lassen muss. Beide bieten parallel einen Chat an um mit dem Publikum kommunizieren zu können. Speziell bei UStream empfiehlt es sich den UStream Producer (der Desktop Software für PC oder Mac) zu nutzen und nicht die Flash Programme auf der Website. Die Software bietet mehr Möglichkeiten und benötigt weniger Bandbreite.

Des Weiteren braucht man einen Computer mit möglichst guter Webcam. Bei der Webcam ist die Optik und ein guter Weißabgleich wichtiger als die absolute Auflösung. Was diese betrifft sollten die Kamera jedoch mindestens 720p unterstützen um ordentliche Ergebnisse zu erzielen. Gute Erfahrungen konnte ich hier mit der Logitech 920c (FullHD Cam mit Carl Zeiss Objektiv) oder der Logitech C525 machen. Beide Cams liegen im Bereich von 50,- bis 100,-€. Ein Punkt allerdings der bei Kameras dieser Bauart hinderlich ist, ist es das sie einen relativ engen Blickwinkel haben. Damit man beispielsweise einen Großteil der Strecke mit einer Kamera abdecken kann muss diese einige Meter von der Strecke entfernt angebracht sein. Der Einsatz von zwei USB Kameras ist bei UStream und Co. so nicht vorgesehen. Dies wäre nur mit einer sehr viel komplizierteren Lösung aus echten Videokameras und einem Video-Pult mit daran angeschlossener Video-Karte im PC möglich. Es ist zweifelhaft ob ein Verein dieses Equipment anschafft das dann schnell mit mehreren tausend Euro zu Buche schlägt.

Bei der Internetleitung liegen die Hürden allerdings recht hoch. Es wird mindestens 1MBit Upstream empfohlen. Eine gute DSL Leitung reicht demnach also aus – bei UMTS wird es eng. Internet sollte einer der größten Probleme an Rennstrecken darstellen. Viele Strecken liegen abseits von Ortschaften oder in unerschlossenem Gebiet. Einige haben das Glück über Internet zu verfügen. Trotzdem ist es einen Versuch mit UMTS wert.

Ansonsten reicht ein handelsüblicher PC mit einem einigermaßen neuen Windows oder Mac Betriebssystem für die ersten Streamingversuche aus.

Kosten

Nutzt man die oben beschriebenen Streaminganbieter muss man für das eigentliche Streamen nichts bezahlen. Setzt natürlich voraus die Zuschauer lassen sich von Werbung berieseln. Möchte man dies nicht ist man mit monatlich um die 40€ dabei. Wenn man bedenkt, dass man die Lösung nur eine Hand voll Male im Jahr benötigt immerhin ein stolzer Betrag. Die Hardware schlägt mit ca. 50€ für eine Webcam und noch mal 150€ bis 250€ für einen gebrauchten Office PC zu Buche. Die Internet-Kosten hängen schwer von den Gegebenheiten ab und müssen für jeden Fall individuell kalkuliert werden.

Alles in Allem stehen am Ende runde 300€ als Kosten für Anschaffungen an. Die gute Nachricht: Sie sind nur einmalig! Außerdem kann beispielsweise auch ein PC eines Zeitenmonitors für den Stream genutzt werden. Vorausgesetzt man kommt an diesen PC einfach heran.

Zuschauer gewinnen

Kein Stream ohne Zuschauer, denn diese sind der Sinn des ganzen Unterfangens. Für Zuschauer wirbt man am besten über die folgenden Kanäle:

  • Ausschreibung: Bereits in der Ausschreibung kann vermerkt sein, dass ein Live Stream zur Verfügung steht
  • Website: Auf der Website des Vereins kann prominent ein Link zum Stream hinterlegt werden – möglicherweise mit Programmvorschau
  • Foren: In einschlägigen Foren kann ebenfalls sehr einfach für ein Live Stream geworben werden
  • Social Media: Über Facebook und Twitter kann ein Verein sehr gut seine potentiellen Zuschauer und Fans erreichen
  • Mailings: Mittels eines Rundmails können Zuschauer kurz vor Beginn des Streams gewarnt und erinnert werden

Fazit

Bereits die EFRA hat in ihrem Annual Meeting vom November 2011 festgestellt:

Plans for 2012:
Live Streaming
Commentary at the Events
Special “Getting Started” Videos

Demnach sieht auch die EFRA den Nutzen von Streams und von nachträglichen Videos als gutes Marketinginstrument ein. Nicht lange und auch der DMC wird den gleichen Weg gehen und ebenfalls diese technischen Möglichkeiten in Betracht ziehen. Vielleicht sind es auch die Dachverbände die Equipment anschaffen um Nationale- und Internationale Meisterschaften streamen zu können.

Bis dahin bleibt nur mein Fazit: Die technischen Hürden sind hoch aber die Investition vergleichsweise gering. Man muss nicht einen extra Kommentator haben, mehrere Kameras etc. Es reicht auch nur eine statisch montierte Kamera und ein kostenloser Streaminganbieter. Man sollte sich in jedem Fall die Mühe machen diese Möglichkeiten aus zu probieren und dem Fortschritt damit Rechnung zu tragen. Je mehr Leute man für einen Stream begeistern kann desto mehr Leute werden vom RC Virus infiziert und kommen möglicherweise beim nächste Mal an die Strecke. Außerdem ist es für Diejenigen die nicht anreisen konnten ein gutes Gefühl von „dabei gewesen sein“. Oft werden solche Dinge von unten nach oben übertragen. Wenn die Verbände sehen, dass es im kleinen funktioniert… Wer weiß? Vielleicht haben wir dann bald von jedem Rennen einen Livestream!?

Streamende Grüße

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