Glühweincup 2011

Der Glühweincup in Hockenheim ist vorbei und wiedermal hat es sehr viel Spaß gemacht. Ich möchte euch hier, abseits des offiziellen Rennberichts, meinen eigenen kleinen Rennbericht präsentieren. Quasi meine Sicht der Ereignisse, meine kleine Leidensgeschichte zum Glühweincup. Eines sei vorab gesagt, es ist nicht so dramatisch wie es sich im zweiten Satz anhört. Bei super Novemberwetter trafen sich 70 Großmodellisten um Spaß zu haben…

Doch meine Geschichte geht etwas früher los. Da ich Mitglied des RC-Team Hockenheim bin, war ich relativ stark eingebunden in den Vorbereitungen des Glühweincup. Freitags wurden drei große Chili Töpfe gekocht, Freitag Abend wurde das Fahrerlager gerichtet. Dies lies nicht exorbitant viel Zeit mich selbst und mein Auto auf das Rennen vor zu bereiten. Einige Testfahrten eine Woche vorher mussten ausreichen. Zumal kurz vorher die Rennstrecke nach dem DTM Rennen in Hockenheim wieder aufgebaut wurde. Wenig Grip halfen nicht unbedingt dabei ein richtiges Setup zu finden – aber es war ein erfolgreicher Tag. Von diesem Samstag an stand mein FG in der Werkstatt und wartete auf seinen Einsatz am Glühweincup Rennsamstag.

Vorbereitung und das Unglück

Bis zu diesem Zeitpunkt schien die Welt noch in Ordnung. Mein Setup schien einigermaßen zu passen. Die Wettervorhersage für das Wochenende versprach eine trockene Piste und Sonnenschein bei 10°. Doch das Pech ereilte mich beim Ausladen. Nachdem ich einen Werkzeugtrolley aus dem Auto geladen hatte und meinen Flitzer ohne Räder darauf gestellt hatte, wollte ich diesen vom Parkplatz herunterziehen. Bei einem Übergang von Schotter zu Asphalt knallte mein schöner BMW vom Trolley runter. Erster Augenschein: Nichts passiert. Puh! Glück gehabt! Das war ein voreiliger Schluss und der Quell meiner, zum Glück, einzigen Probleme an diesem Samstag.

Kaum angekommen machte ich mich daran die letzten Rennvorbereitungen zu machen. Die letzten Kabel wurden gezogen, die letzten Dinge aufgebaut. Währenddessen machten sich die ersten Teilnehmer auf der Piste bereits warm. Nach zirka einer Stunde baute ich meinen Schrauberplatz auf und mich traf der Schlag: Zwei hintere Bremsscheiben – gebrochen. So ein Mist. Zum Glück hatte ich Ersatz dabei – neue GFK Scheiben wurden flux montiert. Leider fehlte mir die Zeit diese ausgiebig zu testen. 10 Minuten mussten reichen um zu sehen ob ich die neuen Scheiben zum Funktionieren bringen konnte. Die Brems-Balance stimmte leider überhaupt nicht mehr – mein Bremsweg: Elend lang. Auf gut Glück habe ich im Fahrerlager versucht etwas mehr Leistung in die Bremse zu bekommen. Training war nicht mehr möglich – der eng gesteckte Zeitplan hatte begonnen und die ersten Gruppen fuhren ihren ersten Vorlauf. Mich hatte man in die Gruppe 3 eingeteilt – mit sehr schnellen Fahrern wie Andreas van Hüth, Markus Strubich, Willy Fricke und noch einige Weitere. Generell waren unter den 40 Tourenwagen enorm starke Fahrer vertreten. Natürlich allen Voran Markus Feldmann, Cedric Prevot, Michael Mielke und Holger Forst.

Trainings-Vorlauf und erster Vorlauf

Alle Teilnehmer und die Rennleitung hatten beschlossen ein gezeitetes Training im Vorlaufmodus ein zu bauen. Meines lief eigentlich ganz ordentlich. Leider gingen hier bereits meine Bremsprobleme weiter. Mein Heck überbremste. Die DX3R Fernsteuerung gibt es leider nicht her die Bremsbalance zu verstellen – und die generelle Stärke der Bremse war bei mir leider auf keinem der Knöpfe belegt. Sehr vorsichtig bremsend kam ich über die Runden.
Nach dem gezeiteten Training reduzierte ich die Bremse hinten und änderte das Ansprechen der Bremse hinten. Im ersten richtigen Vorlauf war es wie im Training auch. Am Anfang passte alles und dann zog das Auto immer in mittelschnellen Passagen auf der Bremse in eine Richtung weg. Zum Glück hatte ich dieses Problem am Ende der Geraden nicht – sonst wäre es vermutlich zu einigen spannenden Szenen gekommen. Generell muss man sagen, bis auf wenige Ausnahmen, wurde sehr fair und sauber gefahren in den Vorläufen – ebenso im gesamten weiteren Veranstaltungsverlauf. In meiner Gruppe gehörte ich sicherlich nicht zu den schnellsten. Das war aber auch nicht zu erwarten. Zum Einen wegen der Bremsprobleme nicht zum Anderen waren da Leute mit Rang und Namen, stärkeren Motoren und sicherlich sehr viel mehr Erfahrung. Dennoch schloss ich nach dem Ersten Vorlauf mit 12 Runden und einer Zeit von 05:06,77 als gesamt 24. ab.

Zweiter Vorlauf

Wieder in der Box angekommen ging der Kampf mit den Bremsen weiter. Hinten schienen die Bremsen nicht richtig auf zu machen – also die komplette Bremse gereinigt und die Scheiben geschliffen. Nach einer kurzen Stärkung ging es auch schon wieder rein in den zweiten Vorlauf. Und was soll ich sagen? Das gleiche Problem! Durch einige daraus resultierenden Fahrfehler schnitt ich mit einer unbefriedigenden Zeit von 12 Runden und einer Überzeit 05:11,58 etwas schlechter ab.

Dritter Vorlauf

Ich hatte mich schon fast mit der lädierten Bremse abgefunden und habe die Bremskraft hinten stark raus genommen in der Hoffnung das Auto fährt wenigstens beim Bremsen geradeaus. Außerdem hatte ich gesehen, dass die Bremse hinten dringend entlüftet werden müsste. Hierzu reicht die Zeit zwischen zweitem und drittem Vorlauf jedoch nicht aus. Außerdem kann dies wohl kaum eine Ursache für die unterschiedliche Bremsleistung links und rechts sein! Ich bemerkte jedoch, dass vorne an der Bremse etwas nicht stimmte. Hier war die Bremsleistung links und rechts ebenfalls unterschiedlich. Bremse ausgebaut, komplett gereinigt und Scheiben geschliffen. Zum zweiten Mal an diesem Tag mit angeschliffenen und glatten Scheiben in einen Vorlauf. Unmöglich vorher eine Bremsbalance ein zu stellen. Und so war es auch – die Bremsleistung war extrem mies. Ich bremste zum Teil drei, vier Meter früher als die ohnehin schon schnellere Konkurrenz.

In diesem Vorlauf kam es auch zu meinem einzigen ernsthaften „Feindkontakt“ an diesem Rennwochenende. Ich bremste die Zeitschleifenkurve hart (so hart wie eben möglich mit dieser Bremse) an und wedelte durch die links-rechts Passage. Darauf folgt eine langgezogene Linkskurve die von außen angefahren und von dort an auf dem Curb gefahren wird um möglichst früh den Hammer fallen zu lassen. Ich bog, zugegeben etwas weiter außen, in die Kurve ein als ein schnellerer Fahrer die Gelegenheit nutzen wollte innen an mir vorbei zu ziehen. An dieser Stelle kann man normal nicht überholen – wenn, dann außen – aber das schafft man nur wenn man sehr deutlich schneller ist und wenn die äußere Fahrbahn sehr sauber ist. Es kam wie es kommen musste: Ich zog herein um die Kurve an zu fahren und der andere Fahrer kollidierte mit der Spitze seiner Motorhaube mit dem Ende meines Hecks. Wir beide überschlugen uns, konnten aber zum Glück die Fahrt sofort wieder aufnehmen. Müßig über Schuld oder Unschuld zu diskutieren – ich sehe mich im Recht. Am Ende war es doch ein ganz normaler Rennunfall wie er immer mal passieren kann. Zum Glück ist bei beiden nichts kaputt gegangen. Nach 7 Runden jedoch musste ich mein Auto in der Omega-Kurve abstellen. Das Auto lenkte nicht mehr richtig und beschleunigte nicht mehr. Ich ging im ersten Moment von einem Versagen der RC Anlage aus. Mit 7 Runden und einer Zeit von 02:54,56 holte ich mein Auto von der Bahn.

Abendliches Schrauben

In der Box angekommen stellte sich heraus, dass sich ein Stein in einer der vorderen Bremsscheiben verkantet hatte! Bremsscheibe gebrochen – die Dritte an diesem Tag! Mein Brems-Leiden nahm kein Ende. Zu meinem Glück blieben noch ein paar weitere Fahrer noch bis spät Abends im Fahrerlagerzelt und tranken einige Biere mit mir. Wir beratschlagten uns und checkten mein Auto durch. Das Resultat war, dass ich mein Differential neu befüllt habe, das Fahrwerkssetup geändert habe, alle vier Bremsen nochmals gereinigt und die Scheiben plan heruntergeschliffen habe, einen krummen Bremsbelag ersetzt habe und (das jedoch erst am nächsten Morgen) meine Bremse entlüftet habe.

Neben dem austauschen von Schrauben und Bremsteilen im Auto haben wir auch sehr viele Worte getauscht. Es war sehr lustig und ich habe sehr viel dabei gelernt. Genau solche Momente sind es, die ich am Glühweincup liebe. Um 21 Uhr strichen auch wir die Segel und strebten das warme Bettchen an.

Vierter und letzter Vorlauf

Mit einer auf Gefühl eingestellten, praktisch unbenutzten da abgeschliffenen Bremse, startete ich in den letzten Vorlauf. Und was soll ich sagen? Die Bremse funktionierte! Hinten noch etwas zu wenig – aber dafür gleichmäßig und berechenbar! Ohne Probleme und weitere Vorfälle fuhr ich meinen letzten Vorlauf, der mich zugleich direkt für eines der beiden Halbfinale qualifizieren sollte. 13 Runden in einer Zeit von 05:16,76 katapultierten mich vor bis auf den 13. Platz. Mit meiner schnellsten Runde von 24,02 Sekunden war ich zwar nach wie vor nicht ganz einverstanden. Aber mein FG ließ sich an diesem Tag zu nichts Schnellerem überreden. Aber ich hatte mein persönliches Ziel „Halbfinale“ erreicht – die Welt war in Ordnung.

Halbfinale

Vor dem Halbfinale habe ich noch weiter die Bremseinstellung verfeinert und zur Sicherheit die Stärke der Bremse auf einen Schalter außen an der Fernsteuerung gelegt. Neue Reifen drauf und schon ging es in die Startaufstellung an siebter Position. Der Start hingegen wurde zum Krimi. Der erste Start wurde nach einer halben Runde abgebrochen. Ich kam mittelmäßig aber ohne Unfälle in die ersten Kurven – leider hatten sich ein paar andere Fahrzeuge verhakt. Abbruch wegen Startunfalls. Der nächste Start glückte. Es rappelte zwar wieder aber die Rennleitung ließ weiter laufen. Durch den kleinen Unfall am Start machte ich ein paar Plätze gut – ein paar weitere durch Überholmanöver in der Anfangsphase. So fand ich mich am Ende der zweiten Runde auf Platz drei wieder! Wahnsinn – ein Finalplatz! Ich wußte aber, dass es schier unmöglich sein würde diesen Platz über die 20 Rennminuten zu halten. Und so kam es auch – nach wenigen Runden war ich nur noch vierter – dann fünfter. Dann? Rennabbruch!

Was war passiert? Offensichtlich streikte die Zeitnahmesoftware. Das Programm hatte sich kurz vor Rennmitte mit einem blauen Bildschirm verabschiedet und der Rennstand war futsch. Der Zeitnehmer rief einer Rennpause von 10 Minuten aus. Leider hatte ich zum Zeitpunkt der „10 Minuten“ Aussage über die Lautsprecher bereits die Beine in die Hand genommen und meine Tankflasche aus dem Fahrerlager zu holen. Der Sprit würde niemals für einen Restart und abermalige 20 Minuten Rennen reichen. Wieder in der Box angekommen tankte ich mein Fahrzeug und schaute mich um: Niemand mehr da… alle Fahrzeuge im Fahrerlager an den Heizdecken. Bis zum Zeitpunkt an dem ich mich das realisierte rief der Zeitnehmer auch schon „nur noch 6 Minuten bis zum Restart“. Das lohnte sich nun nicht mehr in die Box zu gehen und für 1 Minute die Reifenheizdecken auf zu ziehen.

Vor dem Restart begann Gott sei Dank die Vorbereitungszeit erneut und ich hatte 2 Minuten die Gelegenheit die nun auf Umgebungstemperatur (unter 10°C) abgekühlten Reifen wieder auf Temperatur zu bringen. Eine schwierige Aufgabe die mir bis Rennstart noch nicht vollkommen gelang. Mittelmäßiger Start, wackelige erste Runden, doch dann lief es ganz gut. Leider hatte ich mich mit der Bremse etwas vertan, sie war zu schwach eingestellt. Zum Glück stimmte die Balance und auch links-rechts war sie gleich. Ich erinnerte mich an meinem magischen Knopf an der Fernsteuerung und begann diesen zu verstellen. Ungeübt wie ich darin war, verbremste ich mich zwei Mal beim Betätigen. Danach war es aber NOCH schlimmer – noch weniger Bremse. Ich hatte in die falsche Richtung verstellt. Ich beschloss einfach mit diesem Setup nach Hause zu fahren. Es waren einige Fahrer ausgefallen und ich lag mit einer Runde Rückstand auf meinen Vordermann solide im Rennen welches ich schlussendlich als sechster beendete.

Finale

Die Finalrennen aller Klassen waren enorm spannend. Als Tourenwagen Fahrer habe ich natürlich ein besonderes Augenmerk auf das Tourenwagen Finale. Außerdem: Wann sieht man denn schon so hochkarätige Fahrer bei der Arbeit als hier? Markus Feldmann konnte sich, nach einer kurzen Auseinandersetzung mit Cedric Prevot einen Start-Zielsieg sichern. Dahinter ging es schon mehr zur Sache. Michael Mielke und Holger Forst lieferten sich dutzende Runden ein extrem spannendes Duell, welches Holger Forst am Ende für sich entscheiden konnte. Cedric schied leider gegen Ende aus, genauso Michael Mielke der ohne Sprit liegen blieb. Alexandre Schueller sicherte sich den dritten Platz – er war von 8 gestartet! Respekt! RC-Team Hockenheim Vereinskamerad Mark Wybranietz lief auf einem sensationellen vierten Platz ins Ziel ein! Ich gratuliere allen Siegern!

Fazit

Alles in Allem ein ganz, ganz tolles Wochenende das bereits Freitagabend anfing mit schönen Gesprächen mit Teilnehmern und sich über das gesamte Wochenende so fortsetzte. Das Wetter hat gehalten – auch wenn es Samstag nicht so schön war wie vorhergesagt. Alles in Allem eine sehr gelungene und tolle Veranstaltung. Vielen Dank an meine Vereinskollegen vom RC-Team Hockenheim und einen noch größeren Dank an alle Teilnehmer.
Solltet ihr dieses Mal nicht dabei gewesen sein: Auf jeden Fall den kommenden November vormerken und an den Hockenheimring kommen!

Keep Racing,
Peter

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