Warum sind onroad Großmodelle so wenig verbreitet?

Immer wieder stelle ich mir die Frage wieso unser großartiges Hobby so wenig verbreitet ist. Natürlich gibt es eine große RC-Szene – die sich jedoch weitestgehend auf andere RC-Modellbau Bereiche verteilt. Sicherlich gibt es hierfür nicht eine einzige Antwort – noch dürfte die Antwort leicht zu finden sein. Aber ich würde euch gerne meine Gedanken hierzu berichten.

1. Marketing?

Da ich dieses Hobby betreibe und außerdem ein wenig Internetverrückt bin, fällt mir vielleicht mehr als anderen auf wie schwer es ist Informationen über onroad Großmodelle im Internet zu finden. Seiten über kleinere Modelle oder über Offroader gibt es zu Hauf. Zum Großteil sind diese Seiten technisch sehr aufwändig, bunt und haben viele und wertvolle Informationen rund um die Fahrzeuge. Aber ONROAD GROßMODELLE? Bis auf eine kleine Hand voller Seiten mit Informationen und News findet man nur ein paar Shops oder Foren – mehr nicht!

Auch in den RC-Zeitschriften (z.B. AMT) findet man nur Beiträge über Großmodelle wenn man wirklich danach sucht. Und sonstiges Marketing rund um den Sport? Nahezu Fehlanzeige. Also wodurch sollte jemand mit dem Virus onroad Großmodell angesteckt werden? Noch sind Rennen – speziell Freundschaftsrennen – die beste Werbung. Aber erfahren denn viele Leute, außer denen die sich ohnehin in dieser Szene bewegen, von diesen Rennen? Wohl eher nicht.

Wie sagte schon Henry Ford:

Enten legen ihre Eier in aller Stille. Hühner gackern dabei wie verrückt. Was ist die Folge? Alle Welt isst Hühnereier.

Schon aus diesen Gründen dürfte nicht unendlich viel Nachwuchs aus unterschiedlichen Richtungen in dieses wundervolle Hobby strömen. Übrigens sind all dies Gründe wieso es ice-net.de überhaupt gibt. Ich bin ein internetverrückter Großmodellbauer – und hier schreibe ich! Mit unter auch ein Grund weswegen ich bei Veranstaltungen die ich mit verantwortlich organisiere Wert auf Marketing lege. Marketing im Sinne von Pressetexte an lokale Zeitschriften schicken, Werbung in Foren und auf anderen Internetseiten, das Einbinden von Social Media (Facebook, Twitter) und so weiter. All dies um ein größeres Publikum erreichen zu können. Natürlich mache ich dies auch um einen Erfolg der Veranstaltung sicherstellen zu können – aber dies geht Hand in Hand mit dem Bekanntmachen des Hobbys!

Frei nach einem Zitat von Antoine de Saint-Exupery:

Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen und Werkzeuge vorzubereiten oder Arbeit einzuteilen und Aufgaben zu vergeben, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem endlosen, weiten Meer.

Das bedeutet, dass man nicht überschweifend das Hobby selbst anpreisen muss, sondern in den Leuten das Feuer und die Leidenschaft für diesen Rennsport entfachen muss. Und das geht nur damit, die Leute an die Strecken zu locken und ihnen tollen Sport zu zeigen.

Wie mann man das schaffen?
Zunächst einmal sind die Vereine gefragt mehr Werbung für die Veranstaltungen zu machen. Pressemitteilungen zu verschicken an die lokalen Medien, mehr Freundschafts- und Einsteigerrennen an zu bieten oder Schnuppertage zu organisieren (Tag der offenen Tür). Ganz generell geht es darum die Vereine mehr der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Als Vorbild dienen hier die klassischen Vereine wie Sportvereine die all diese Dinge bereits tun.

Die Hersteller können hierzu auch einiges beitragen. Im Wesentlichen indem sie die Aktivitäten der Vereine unterstützen. Weitere Ideen wären auch günstigere Einsteigerautos, Rennserien für Einsteiger und mehr Promotion. Einige Hersteller, wie z.B. H.A.R.M. sind hier schon auf einem guten weg.

Und was kann jeder einzelne tun? Meiner Meinung nach ist die Szene sehr in sich gekehrt. Teilweise werden Neulinge nicht sehr ernst genommen, Zuschauer an der Rennstrecke werden meist ignoriert statt ein offenes Gespräch mit ihnen zu suchen und ihnen ihre Fragen zu beantworten. Jeder sollte seine Begeisterung über den Sport an diejenigen herantragen die man um sich herum wahrnimmt – speziell an der Rennstrecke oder auch in Foren! Keine Frage ist zu doof oder zu einfach um keiner ernsthaften Antwort wert zu sein. Web-afinen Leuten, wie mir, kann ich nur anragen: Macht einen Blog, seid in Foren aktiv und versucht auf diese Weise dem tollen Hobby nach vorne zu verhelfen.

Hierzu ein Zitat von Aurelius Augustinus:

Was du in anderen entzünden willst, muss in dir selbst brennen.

Nun darf man die Welt natürlich nicht schwarz malen. Auch diejenigen die schon sehr viel für dieses Hobby tun sollen sich nicht angegriffen fühlen. Natürlich gibt es schon sehr viele großartige Aktionen in diese Richtung. Einige Beispiele sind Bigscaler.de als großartiges Forum und Magazin, H.A.R.M. Racing mit der H.A.R.M. Challenge und ihrer Hausmesse und noch einige weitere Aktionen anderer Hersteller und Internetseiten. Aber man darf sich niemals ausruhen und nachlassen.

2. Kosten?

Die Kosten für dieses Hobby sind hoch – so viel steht fest. Daran kann man meiner Meinung nach auch nicht sehr viel machen. Aber es gibt Mittel und Wege den Kostendruck nicht all zu sehr in unendliche Höhen zu treiben. Rennserien wie die Mini Challenge oder die Powerbecker Porsche Challenge, bei welchem nur minimal modifizierte Standardautos verwendet werden dürfen sind hierzu ein erster sehr guter Ansatz. Sie bieten Fahrspass und Training für all die, die neu einsteigen und reinschnuppern wollen. Leider sind diese Serien noch nicht sehr groß und auch deren Marketing (siehe voriges Kapitel) stimmt noch nicht. Dennoch ein erster guter Schritt.

Des Weiteren sollte man Anfängern als Fortgeschrittener Großmodellist mit Rat und Tat zur Seite stehen. Beliebte Anfängerfehler sind es, einen Sportsline bis zum Umfallen zu tunen für hunderte von Euro. Dies bringt jedoch nicht das gewünschte Ergebnis, näher an den „Profis“ dran zu sein sondern lediglich Frust, viel Geld ausgegeben zu haben ohne wirklichen Erfolg. Natürlich ist dies nicht den Herstellern an zu lasten – auch nur bedingt den erfahrenen Benutzern. Viel mehr muss eine Aufklärung an unerfahrene Benutzer erfolgen. Unter Anderem verfolge ich dies mit meinem Blog. Kernaussage ist: „Kauf dir zu Anfang einen gebrauchten EVO oder einen Sportsline. Wichtigstes Tuningteil: Neue Reifen. Sportsline auf keinen Fall weiter tunen als die Bremsen und eine gute RC Anlage.“ Diese Aussage wiederhole ich auch bei jedem Neuling an der Strecke – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Hier zählt sicher eher der Wille.

Man kann unser Hobby mit einem überschaubaren Budget betreiben. Dabei darf man sich nicht immer von den „Großen“ anstecken lassen im Verlangen nach immer den neuesten Teilen, nach einem noch stärkeren Tuningmotor und so weiter. In vielen Fällen lautet die Antwort: Nein, braucht man nicht. Speziell bei Fahrern die noch nicht lange dabei sind (ich zähle mich, mit bisher „nur“ 6 Renneinsätzen, mit dazu) ist das Wichtigste erst einmal das Fahrzeug zu beherrschen – fahren zu lernen, Geschwindigkeiten, Fahrlinien und so weiter aus dem FF kennen zu lernen.

Allerdings muss man bei allen Kostenfragen immer im Hinterkopf behalten, dass offroad Modelle sich zur Zeit größter Beliebtheit erfreuen – trotz nahezu gleicher Kosten. Einziger wirklicher Kostenunterschied sind die Reifen, die bei onroad Modellen deutlich schneller verschleißen. Da die Reifenpreise in den letzten Jahren mehr oder weniger gleich geblieben sind, ist nicht zu erwarten das sich dieser kostenblock in Zukunft deutlich reduziert. Wenn man allerdings z.B. auf die Trucks schaut so geht das auch anders. Die Reifen sind zwar teurer aber dafür halten sie um ein Vielfaches länger. Auf der anderen Seite macht es auch bei den Tourenwagen durchaus Spaß mal auf heruntergefahrenen Reifen zu „spielen“ die man von den Rennen übrig hat – es müssen nicht immer die neuesten Pneus sein.

Aber diejenigen die auf vermeintlich günstigere Alternativprodukte zurückgreifen seien gewarnt. Wer billig kauft, kauft oft zwei Mal! Was natürlich nicht bedeuten soll, dass alle Fahrer immer nur die teuersten Angebote wahrnehmen soll. Ich möchte hier auch zwischen BILLIG und GÜNSTIG unterschieden wissen. Billig = Minderwertige Ware zu niedrigen Preisen; Günstig = Hochwertige Ware zu, im Verhältnis zu anderen Angeboten, niedrigerem Preis.

Hierzu ein Zitat von John Ruskin:

Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden gerechte Beute solcher Machenschaften.

Hochwertige Teile haben immer ihren Preis. Zum Beispiel gibt es bei den Aluminium Teilen verschiedener Hersteller zum Teil deutliche Unterschiede, obwohl es sich um ein und das selbe Teil zu handeln scheint. Diese drücken sich im Rohstoffpreis aus aber natürlich auch in der Bearbeitung oder im Design/Konzeption. Wenn man unsicher ist, sollte man sich immer auf Erfahrungen anderer stützen und lieber zwei Mal nachfragen. Bei einigen Teilen lohnt es sich günstigere Alternativen zu beziehen, bei anderen Teilen überhaupt nicht und bei Dritten ist ein Selbstbau manchmal einfacher/besser/günstiger. Hier ein paar Beispiele:

  • Öl für die Hydraulikbremse: Kann teuer in kleinen Flaschen vom Modellbauhändler gekauft werden oder in als 1 Liter LHM Hydrauliköl Flaschen beim Citroen Händler.
  • Auspuffhalterung: Kann, wenn man 3mm Carbonplatten ersteigert, oft einfacher und günstiger selbst gesägt werden.
  • Werkzeug: Muss es wirklich der teure Torx Schraubenziehersatz sein? Oft reicht für den Hobbyfahrer auch der aus dem Baumarkt.

Fazit ist also, dass unser Hobby teuer ist und teuer bleiben wird. Aber mit etwas Verstand und Nachdenken kann man die Kosten durchaus im Rahmen halten.

3. Technischer Aufwand?

Ist es der technische Aufwand der Leute abschreckt? Die vielen Schrauben, das Hantieren mit Werkzeug, Motoren und so weiter? Wenn man sich manche Tuningteile oder Berichte im Internet ansieht könnte man das fast meinen und vielleicht hat es auch diese Außenwirkung. Aber allen Anfängern sei versichert, dass man für den Anfang nicht viel technisches Wissen benötigt. Auch hier sind wieder die bereits erfahrenen Fahrer gefragt Neueinsteiger an die Hand zu nehmen und Tipps zu geben. So weit wie ich das erfahren habe passiert das auch, und das ist schön. Aber es kommt sehr auf die Außenwirkung des Hobbys an und nicht nur darum wie es ist, wenn man bereits ein Modell gekauft hat und vor Problemen steht. Meine Seite behandelt ja große technische Teilgebiete und versucht einiges zu erklären und Tipps zu geben. Ein Schritt in die Richtung, Anfängern etwas Sicherheit zu geben – allerdings eventuell auch, durch die Themenvielfalt, abschreckend.

Allen Interessierten sei gesagt, dass man kein KFZ Mechaniker sein muss, kein passionierter Schrauber. Jedoch sollte man keine Angst vor der Technik haben. Modelle in dieser Güteklasse sind richtige Rennautos mit fast allen Optionen, Einstellungsmöglichkeiten und auch Fehlerquellen wie richtige Rennfahrzeuge. Jedoch benötigt man nicht alles Wissen gleich zu Anfang und nicht immer auf ein Mal. Es gibt immer Foren und Internetseiten auf welchen man zu Fragen entsprechende Antworten findet und immer jemand der einem zeigt wie ein bestimmtes Teil zu zerlegen ist.

4. Fazit!

Es gibt sicher einige Gründe wieso unser wunderschönes Hobby nicht so weit verbreitet ist wie es sein sollte. Neben mehr netten Bekanntschaften, mehr Kunden für die Hersteller und mehr spannende Rennen wird es auch so in Zukunft einfacher Nachwuchs zu finden – mehr frisches Blut. Ich hoffe, dass mein Artikel dem ein oder anderen einen kleinen Denkanstoß gegeben hat oder zumindest gut unterhalten hat. In Zukunft werde ich versuchen häufiger solche Berichte rund um den RC-Sport zusammen zu stellen und zu veröffentlichen. Viel Spaß!

Keep Racing,
Peter

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